Schnedesteine und das Grenzbeziehen

Einer alten Sitte gedenkend wird heute noch in vielen Orten das »Grenzbeziehen« gepflegt. Im Mittelalter war es üblich, die Grenzen zwischen den einzelnen Flurstücken/Gemarkungen festzulegen, zu ziehen und auch zu markieren, um sie in Abständen von einigen Jahren wieder zu kontrollieren, gegebenenfalls neu zu ziehen, auszubessern oder neu zu markieren. Im Althochdeutschen nannte man die Grenzbeziehung »Schneedgebeziehung«. Das Wort Schneedge ist nur eines von vielen, welches in Bezug auf »Grenze«, »Schneide« oder »Schneise« benutzt wurde, wie z. B. auch »Schnede«, »Sneedge«, »Snede« oder »Snee«.
Die Grenzen wurden den Nachbarn gegenüber kenntlich gemacht durch Raine, Gräben, Hecken, markante, gezeichnete Bäume, Erdhügel und große Steine, den sogenannten
»Schnedesteinen«.
Zum einen wurde der eigene Grundbesitz abgegrenzt; die Bauern bezogen die Grenze, z.B.um ihren Söhnen zu zeigen, wie groß der Grundbesitz ist. Zum anderen wurden die Flurstücke gekennzeichnet, die man zum Erwerb für Bau- und Feuerholz sowie als Jagdgebiet von den anderen Eigentümern, meist Adeligen, als Pacht überlassen bekommen hatte. Die Schneedgen dienten ebenso zur Abgrenzung der Hüterechte für das eigene Vieh.

Schnedestein an der Einfahrt Bad Bevensen-West

(Ebstorfer Straße).

Zum einen wurde der eigene Grundbesitz abgegrenzt; die Bauern bezogen die Grenze, z.B.um ihren Söhnen zu zeigen, wie groß der Grundbesitz ist. Zum anderen wurden die Flurstücke gekennzeichnet, die man zum Erwerb für Bau- und Feuerholz sowie als Jagdgebiet von den anderen Eigentümern, meist Adeligen, als Pacht überlassen bekommen hatte. Die Schneedgen dienten ebenso zur Abgrenzung der Hüterechte für das eigene Vieh.
Vor etwas mehr als 100 Jahren wurde das letzte »Grenzbeziehen« veranstaltet. In dem Buch »Geschichte von Bevensen und Kloster Medingen« ist auf Seite 259 nachzulesen: »Zur Zeit des Bürgermeisters von Petersdorff (1904-1907) wurde nach Mitteilung des früheren, 1926 verstorbenen Ratsherrn Wilh. Tegtmeyer der Versuch einer Grenzbeziehung unternommen. Nachdem die Grenze jenseits der Ilmenau fast gezogen war, kam der Weitermarsch wegen der mitgeführten Getränke zum Stehen«. In den Jahren 1998 und 1999 wurde auf Anregung von Herrn Carl Friedrich Bautsch und dem damaligen 1. Gildeherrn Major Heinz Strampe versucht, das Grenzbeziehen zum Schützenfest wieder aufleben zu lassen. Bei vier Terminen wurden die Bereiche Ost, West, Süd und Nord nach Anregung der Bevenser Gilde begangen. Verschiedene Gäste gesellten sich zu den Mitgliedern der Bevenser Gilde. Ein Grenzbeziehen, wie es die Gilde der Stadt Uelzen alle fünf Jahre veranstaltet, ist in Bevensen leider nicht mehr möglich. Diese vier Zusammenkünfte haben jedoch den jetzigen 1. Gildeherrn Major Rudolf Meyer und vor allen Dingen den Hauptfeldwebel der Jägerkompanie, Friedrich Wilhelm Hösch den Gedanken aufgreifen lassen, an zwei Punkten in West und Ost der Stadt nach den alten Gemarkungsgrenzen um 1700 neue »Schnedesteine« aufzustellen.

Schnedestein an der Einfahrt Bad Bevensen-Ost

(Röbbeler Straße).

Im Beisein von Bürgermeister Bruno Losiak, Samtgemeindebürgermeister und Stadtdirektor Knut Markuszewski, Äbtissin des Klosters Medingen Frau von Kleist, Major der Gilde Burghardt Willing, Adjutant Hptm. Hans Dieter Lühr, Heimatforscher Carl Friedrich Bautsch, dem 1. Gildeherrn Rudolf Meyer und seinen Vorgängern Hermann Frankl und Heinz Strampe, Steinmetz Wilhelm Hösch, Bauamtsleiter Roland Klewwe und Friedrich Wilhelm Hösch, der diese hervorragend-gelungenen Steine gefertigt hat, wurden diese Steine aufgestellt.
Standorte der Schnedesteine:
1. an der Einfahrt Bevensen-West, Ebstorfer Straße,
2. an der Einfahrt Bevensen-Ost, Röbbeler Straße,
3. an der Einfahrt Bevensen-Nord, Dahlenburger Straße.

Schnedestein an der Einfahrt Bad Bevensen-Nord

(Dahlenburger Straße).

Download: Die lange Tradition der "Schnedesteine" - Jahrhunderte alter Brauch in Bevensen (BLICKPUNKT 4/2007) [924 KB]



Text:
z. T. vom Ogfr. der Jägerkompanie Jürgen Cahnbley, Ausführungen von F. Brohmann, Heimatforscher Carl Friedrich Bautsch, l. Gildeherr Major Rudolf Meyer
Fotos: Andreas Springer