Molkerei Bevensen
Diesen wundervoll gestalteten Kopfbogen
benutzte einst die Molkerei-Genossenschaft Bevensen, die zugleich eine Rahmstation in Bienenbüttel unterhielt.
Die nachfolgend veröffentlichten Information der Molkerei-Genossenschaft Bevensen entstammen der Chronik "60 Jahre Molkerei Bevensen EGMBH in Bevensen 1892-1952". Sie beschreiben die ersten 60 Jahre der Molkerei seit ihrer Gründung. Der Text ist ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen, sondern für die Mitglieder der Genossenschaft
Das Gebäude der Molkerei-Genossenschaft Bevensen
um das Jahr 1958.
Im Bevenser Gebiet gab es weitsichtige und fortschrittliche Landwirte, die den Vorteil einer gemeinsamen Verarbeitung der Milch auf genossenschaftlicher Grundlage erkannten. Nach diversen Vorbesprechungen wurde am 22. Juni 1892 die Gründung der Genossenschaft unter dem Namen „Molkerei Bevensen e.G.m.u.H." vorgenommen. In den Vorstand wurden gewählt Hofbesitzer H. Campe -Kl. Hesebeck, als Vorsitzender, Aug. Sander-Addenstorf, F. Haberland-Röbbel, H. Meyer Ill-Oetzendorf und H. Brügge-mann-Havekost.
Das Einzugsgebiet der Genossenschaft um 1952.
In den Aufsichtsrat wählte man Herrn Hofbesitzer H. Tipp-Secklendorf als Vorsitzenden, H. Stolte-Jastorf, H.Gade-Jastorf, H.Brodermann-Hohenbünstorf, H.Schliekau-Bruchtorf, Brunhöber-Heitbrack. In der Gründungsversammlung erklärten sofort 33 Landwirte den Beitritt mit einer Milchlieferung von 1000 Liter täglich. Aus den nun folgenden Protokollaufzeichnungen sieht man, mit welchem Tempo an die Errichtung der Molkerei herangegangen wurde.
Die Belegschaft um 1958.
In der mittleren Reihe (3.v.l.) Betriebsleiter Finke.
Im August 1892 wird ein Grundstück, 3A Morgen, gekauft für 2400.-- Mark von den Campenschen Erben. Januar 1893 werden die Bauarbeiten dem Maurermeister Harms für 21000 Mark und dem Zimmermeister Bock für 3850 Mark übertragen. Bei der Kreissparkasse wurde ein Darlehn von 50000 Mark zu 3s/4% aufgenommen. Die Maschinenlieferung erhält die Maschinenfabrik A. Schönemann & Co., Berlin. Als Geschäftsführer wird Herr Th. Meyer aus Bevensen angestellt. Zum 1. August 1893 wird der Molkereiverwalter Müller eingestellt und diesem die Beaufsichtigung der Bauarbeiten bis zur Inbetriebnahme der Molkerei übertragen. Alle Einzelheiten wie Milchanfuhr, Inventarbeschaffung wurden geregelt und protokollarisch alles niedergelegt. Am 1. November 1893 wird der Betrieb eröffnet. Die Mitgliederzahl ist inzwischen auf 52 gekommen. Das Vertrauen zu der Molkereigenossenschaft steigt. Dieses zeigt die Zunahme der Mitglieder. Ende 1894 sind es bereits 113, 1899 schon 152 Mitglieder. Der Molkereiverwalter Müller scheidet am 31.12.1894 aus. Die Leitung des Betriebes wird zum 1.1.1895 dem Molkereiverwalter Otto Hardt übertragen. Die Milchanlieferung ist entsprechend gestiegen, sodass die vorhandene Maschinenleistung nicht mehr ausreicht. 1899 wird bereits ein größerer Dampfkessel und 1901 eine größere Dampfmaschine eingebaut. Auch die Pasteurisierung der Milch wird eingeführt. Der Molkereiverwalter Hardt bleibt bis 30. April 1901. Am 1. Mai übernimmt der Molkereiverwalter Kleindienst die Leitung.
Das Betriebsbüro 1956.
Immer mehr Landwirte schließen sich der Genossenschaft an, am 31.12. 1905 sind es bereits 186 Mitglieder. In einer Generalversammlung im Achillesschen Hotel in Bevensen, am 19. Mai 1906 wird der Bau der Rahmstation Bienenbüttel beschlossen. Grund dieses Beschlusses ist die evtl. Entstehung einer neuen Molkerei in Bienenbüttel, wodurch Bevensen ein Teil seiner Milch verloren gehen würde.
Bei der Abstimmung über den Bau der Rahmstation in Bienenbüttel sind 62 Stimmen für den Bau, 5 Stimmen dagegen, 1 Stimme unbeschrieben.
Aus dem Bezirk Bienenbüttel werden Herr Hahn-Eitzen in den Vorstand und Herr Sander-Wulfstorf in den Aufsichtsrat gewählt.
Anfang 1906 gehören nun zum Vorstande die Herren H.F. Meyer-Jastorf als Vorsitzender, H. Meyer Ill-Oetzendorf, H. Hyfing-Römstedt, Carl Meyer-Seedorf, Bruns-Höver, Aug. Sander-Addenstorf, L. Hahn-Eitzen, zum Aufsichtsrat die Herren H. Tipp-Secklendorf als Vorsitzender, Fr. Gehrdts-Eppensen, Lübbers-Bevensen, Bautsch-Gr. Hesebeck, Fr. Meyer-Medingen, H.Schliekau-Bruchtorf, Fr. Sander-Wulfstorf. Am 1. November 1906 wird der Betrieb der Rahmstation Bienenbüttel eröffnet. Der Mitgliederbestand der Molkerei Bevensen ist bis zum 31.12.1906 auf 237 gestiegen. Am 31.12.1910 zählt die Genossenschaft bereits 297 Mitglieder. Die Milchanlieferung ist dementsprechend gestiegen. Die Milchlieferanten haben volles Vertrauen zu ihrer Genossenschaft. Der Milchviehbestand wird gehoben und die Milcherzeugung intensiver betrieben. Die tägliche Milchanlieferung ist in Bevensen 11000 Liter, in Bienenbüttel 2500 Liter.
An der Ausgabe für Rückgabemilch für Lieferanten.
Zwangsläufig kommt die Notwendigkeit einer Erweiterung des Betriebes in Bevensen. In einer Vorstands- und Aufsichtsratssitzung am 28.8.1909 wird ein Erweiterungsbau beschlossen und neue moderne Maschinen gekauft. Es werden vorerst 27000 Mark bewilligt.
Die Neuanlage ist Mitte Juli 1910 fertig und nunmehr ist die Molkerei Bevensen einer der mustergültigsten Betriebe in Norddeutschland, der von vielen Interessenten besichtigt wird. Im August 1914 beginnt der 1. Weltkrieg mit seinen Folgen. Die Milchlieferung geht durch zwangsweise Eingriffe in den Kuhbestand zurück. Nach dem verlorenen Weltkrieg kommt 1922/23 die Inflation. Weltkrieg und Inflation konnten den Bestand der Genossenschaft Bevensen nicht erschüttern.
Milchkannen über Milchkannen.
Am 26. Dezember 1925 starb der langjährige Betriebsleiter Direktor Walter Kleindienst nach fast vollendeten 25 Jahren Dienstzeit. Als Nachfolger wurde am 1. Februar 1926 Herr Joh. Eggers gewählt, welcher nach 2V*jähriger unerfreulicher Gastrolle wieder ausscheiden mußte. Im Juni 1929 übernimmt Herr Richard Freyer die Leitung. In der Besetzung des Vorstandes und Aufsichtsrates sind in den letzten Jahren Aenderungen eingetreten. Der Vorstand setzt sich am1.1.1929 ausfolgenden Herren zusammen: H.Hyfing-Römstedt als Vorsitzender, H. Hoyer-Edendorf, Fr. Kahlstorf-Masbrock, H.Meyer-Oetzen-dorf, H. Rose-Altenmedingen, Georg Meyer-Seedorf, Fr. Sander-Wulfstorf. Im Aufsichtsrat sind die Herren Fr. Gehrdts-Eppensen als Vorsitzender, C. Hagelberg-Taetendorf, H. Campe-KI. Hesebeck, L. Hahn-Eitzen, W. Saucke-Altenmedingen, Sprätz-Secklendorf, Fr. Meyer-Medingen. Bereits in der nächsten Generalversammlung am 27. März 1929 ändert sich die Zusammensetzung der Organsmitglieder, in den Vorstand werden neu gewählt die Herren Könnecker-Römstedt und August Wille-Addenstorf. In den Aufsichtsrat kommt Herr Th. Rehse-Altenmedingen. 1930 kommen in den Aufsichtsrat Herr Otto Burmester-Kl. Bünstorf und H. Meyer(6)-Höver hinzu.
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass im Jahre 1927 auf Anregung des Lüneburger Herdbuches die obligatorische Leistungskontrolle mit Futterberatung nach dänischem und holländischem Muster eingeführt wird, die sich in der Steigerung der Milchleistung segensreich auswirkt. Diese Maßnahme ist ein Beweis für die fortschrittliche Bestrebung unserer Landwirtschaft, denn es gab seinerzeit in Deutschland nur wenige Molkereibetriebe, die diese Leistungskontrolle durchführten.
Es kam nun das Jahr 1933 mit seinen Umstellungen im ganzen Wirtschaftsleben. In der außerordentlichen Generalversammlung am 10. Juni 1933 wurde der Beschluß gefasst, Jie Rahmstation Bienenbüttel von der Molkerei Bevensen zu trennen, da die Unkosten durch die doppelte Betriebseinrichtung zu hoch wurden. Die endgültige Trennung findet am 1.0ktober1933 statt, mit der gegenseitigen Versicherung eines weiteren guten nachbarlichen Verhältnisses.
Der Aufsichtsrat der Molkerei 1958:
Hintere Reihe v.l.n.r.: Betriebsleiter Finke, G. Meyer, G. Hyfing. Vordere Reihe v.l.n.r.: G. Mennerich, H. Campe, Vorsitzender O. Burmester, J. Hilmer.
Durch das Ausscheiden der Bienenbüttler Organsmitglieder besteht nun der Vorstand aus folgenden Herren: Fr. Kahlstorf als Vorsitzender, Wilh. Strampe-Barum, Georg Meyer-Seedorf, H. Rose-Niendorf l, H. Könnecker-Römstedt, Alb.Meyer-Oetzendorf, der Aufsichtsrat: Fr. Gehrdts-Eppensen als Vorsitzender, C. Hagelberg-Taetendorf, H. Campe-KI.Hesebeck, H. Meyer-Höver, Th. Rehse-Altenmedingen, Gerh. Meyer-Jelmstorf, Carl Bautsch-Gr. Hesebeck. 1934 wird Herr Fr. C. Gehrdts an Stelle seines Vaters und 1935 die Herren Albert Niemann-Höver und Heinrich Baumgarten-Niendorf l in den Aufsichtsrat gewählt. 1936 kommt Herr Herb. Oellien-Seedorf in den Vorstand. Am 8. August 1936 wird der Bau eines Nebengebäudes auf dem Hofe der Molkerei beschlossen, in dem das Laboratorium, Werkstelle, Waschküche, Garage, Stallungen untergebracht werden. Die Jahre von 1934 bis 1939 verlaufen verhältnismäßig ruhig, da die gesamte Wirtschaft durch die Zwangswirtschaft gelenkt wird. Auch durch den 2. Weltkrieg 1939—45 zieht die Zwangswirtschaft hindurch mit Leistungskämpfen und Erzeugungsschlachten. Von Kriegsschäden bleibt die Molkerei verschont. Am 17. April 1945, nachmittags 16 Uhr, wird dieStadt Bevensen durch alliierte Truppen besetzt und der gesamte Verkehr lahmgelegt. Trotzdem kommen am 18. April die Milchwagen von Gr. Hesebeck und Havekost-Masbrock treu und brav mit der Milch in Bevensen an, so daß wir wenigstens die Stadt mit Milch versorgen konnten. Dann wurde der Verkehr täglich besser. Da die Molkereien Uelzen und Bienenbüttel durch Stromausfall still lagen, haben wir einige Tage einen Teil dieser Milch mitverarbeitet. Die Kohlenzufuhr blieb ein schwieriges Problem. Zeitweise musste der Dampfkessel mit teurem Grubenholz, dann wieder mit grünem Holz, was nicht brennen wollte, geheizt werden, bis die Zuckerfabrik Uelzen aus Restbeständen mit Kohle aushalf. Langsam kam dann der Eisenbahnverkehr wieder in Gang und brachte Kohle heran. Dann konnten wir auch die Mengen Butter und Quark, die im Kühlraum hoch aufgestapelt waren, zum Versand bringen.
Der Vorstand der Molkerei 1958.
Hintere Reihe v.l.n.r.: W. Funk, K.O. Meyer, Betriebsleiter W. Finke. Vordere Reihe v.l.n.r.: W. Hyfing, Vorsitzender W. Strampe, H. Moritz.
Aber auch diese unruhige Zeit ging vorüber, wenn sie allen schon eine starke Nervenprobe war, aber der Krieg war vorbei; leider wieder ein verlorener Krieg, dessen tragische Folgen wir nun zu tragen haben. Der genossenschaftliche Zusammenhalt hat sich aber bewährt und hat unsere Genossenschaft über diese schwere Zeit hinweggebracht. Es wird in diesem Sinne weitergeschafft.
Die Butterei 1956.
Butterfertiger (6000 Liter) aus V2 A-Stahl, 2 Rahmreifer und Rahmkühler.
Die seit langen Jahren geplante Erweiterung des Kesselhauses durch Anschaffung eines größeren Dampfkessels wird 1947 Wirklichkeit.
Die Zusammensetzung des Vorstandes und Aufsichtsrates hat sich inzwischen wieder geändert. Seit 1948 besteht der Vorstand aus folgenden Herren f Wilhelm Strampe-Barum als Vorsitzender, Wilh. Hyfing-Römstedt, Heinr. Moritz-Heitbrack, Karl Otto Meyer-Seedorf, Wilh. Funk-Niendorf. Der Aufsichtsrat: Otto Burmester-KI. Bünstorf als Vorsitzender, Julius Hilmer-Taetendorf, H. Campe-KI. Hesebeck, Fr. C. Gehrdts-Eppensen, Herrn. Schulz-Seck-lendorf, Gerh. Hyfing-Vorwerk. Neben der Leistungskontrolle wird seit 1950 zur Tbc-Bekämpfung die Euterkontrolle durchgeführt.
Das Betriebslaboratorium 1956.
Nicht unerwähnt darf bleiben, dass nach der Währungsumstellung am 21. Juni 1948 infolge der gesunden Finanzlage der Genossenschaft die Geschäftsanteile der Mitglieder mit 1 zu 1 aufgewertet werden konnten.
Am Schluss sollen noch Zahlen sprechen. Im ersten vollen Geschäftsjahr 1894 wurden täglich 4518 Liter Milch verarbeitet. Mai 1952 ist die Anlieferung täglich 23000 Liter von 383 Mitgliedern.
Viele Anerkennungen für Qualitätserzeugnisse in Form von Diplomen und Ehrenpreisen auf landwirtschaftlichen Schauen und Ausstellungen der D. L. G. wurden der Genossenschaft zuerkannt.
Im Jahre 1952 können die Mitglieder auf ihr Werk mit Stolz zurückblicken, und all den Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern, welche die Geschicke in selbstloser Weise geleitet haben, soll Dank und Anerkennung gezollt werden.
Das Milchlager 1956
mit 4 Milchlagertanks á 4000 Liter.
Notgeld der Molkerei-Genossenschaft Bevensen
aus dem Jahre 1921.
Fotos: Sammlung Springer
