Geschichte Bad Bevensens
Schon in der Jungsteinzeit, als die Geschichte Bad Bevensens begann, gab es an der Ilmenau eine Art bäuerliche Lebensform, wie aus Funden zu schließen ist. Die Steingräber, auch „Königsgräber“ genannt, bei dem Dorf Haaßel, nördlich Bad Bevensens, geben ein plastisches Zeugnis vom Wirken des Menschen in jener Zeit. Während der sogenannten Bronzezeit gab es schon eine recht dichte Besiedelung, wie aus der Fälle der Hügelgräber in der Klein Bünstorfer Heide und der Addenstorfer Heide erkennbar ist. Auch die nachfolgenden Epochen der vorrömischen und der jüngeren römischen Kaiserzeit sind durch Grabfunde am Rande und innerhalb Bad Bevensens belegbar. Das Gräberfeld im heutigen Ortsteil Jastorf aus der römischen Eisenzeit wurde in der modernen Archäologie wegen der Urnenformen und der Grabbeigaben als „Jastorf-Stufe“ weltweit bekannt.
Um die Zeitenwende lebte hier der Volksstamm der Langobarden in einem Gebiet, das von der Elbe bis zur Aller reichte.
Der sogenannte Bardengau war in 18 Bezirke, sogenannte Gohe aufgeteilt, wobei der Goh Bevensen schon etwa dem Gebiet der heutigen Samtgemeinde Bevensen entsprach.
Bis in diese Zeit läßt sich der Name „Bevensen“ zurückverfolgen; der Herleitung des Ortsnamens mag der Name des Ältesten einer langobardischen Sippen zugrundeliegen, der Babo hieß: Babos Husen – Babenhusen – Bavenhusen – Beuenhusen – Bevenshusen – Bevensen. Im 3. Jahrhundert n. Chr. drangen die Sachsen von Norden ein und nahmen den seßhaften Langobarden die Selbständigkeit, sächsische Geschlechter übernahmen nach und nach die Positionen bardischer Edelinge. In der Folgezeit wanderte ein Teil der Langobarden daher nach Süden ab, die Verbleibenden vermischten sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte mit den Sachsen.
In der karolingischen Zeit entwickelte Bevensen sich zum bedeutenden Ort an der mittleren, bis hierhin schiffbaren Ilmenau, denn Bevensen war zu einem Wik geworden und damit Handelsplatz für Waren aller Art vom Land- auf den Wasserweg und umgekehrt.
Zwischen 950 und 1150 hatte Bevensen Wikrecht, entwickelte sich zu einer Marktsiedlung und gewann sowohl als geistlicher wie weltlicher Mittelpunkt unter den Billungern, die hier einen Haupthof unterhielten, erheblich an Bedeutung. Der Ort wurde zu einer burgähnlichen Anlage ausgebaut und durch die undurchdringliche Ilmenauniederung nach Norden, Osten und Süden geschützt, auf der westlichen Seite verliefen wassergefüllte Gräben und Palisaden, etwa auf der Höhe der heutigen Rathausstraße.
Erste urkundliche Erwähnung findet Bevensen in einer Schrift Heinrich des Löwen um 1162, in der von einem „werendagi de beuenhusen“, der als Zeuge auftritt, berichtet wird.
In einer Urkunde Herzog Ottos des Strengen von Braunschweig und Lüneburg vom 6. Januar 1293 wird Bevensen als „oppidum“ bezeichnet, das mit Marktflecken zu übersetzen ist. Die Bewohner dieses oppidum werden „burgenses“, das heißt Bürger, genannt. Nach dem Umbau der kleinen, schon im 9. Jahrhundert erbauten Kapelle zu einer romanischen Kreuzkirche um 1050, richtete der Bischof von Verden um etwa 1231 ein bischöfliches officium mit einem Präpositus ein, und Bevensen wurde zum Archidiakonat, zugleich unterhielt der Bischof von Verden hier einen Sattelhof.
Für das Bevensen längst vergangener Tage wurde die Ansiedlung eines Zistertienser-Frauenklosters bedeutend. Diesem Konvent, im Jahre 1228 aus einem Kreis von Nonnen des Katharinenklosters zu Wolmirstedt bei Magdeburg gegründet, war die Aufgabe zugeschrieben worden, im von Slaven besiedelten Wendland, das dem Gebiet des heutigen Landkreises Lüchow-Dannenberg entspricht, den Christianisierungsprozeß fördern zu helfen. Durch vielerlei widrige Umstände mußten die Nonnen innerhalb von etwa einhundert Jahren mehrmals ihre Wohnstatt wechseln. So kam der Zisterzienser-Nonnenkonvent über Altenmedingen 1336 in das nur einen Kilometer von Bevensen entfernte Medingen, das damals noch Zellensen hieß. Ein bewegter Zeitraum mag die Epoche der Reformation, angeregt und durchgeführt von Herzog Ernst zu Braunschweig und Lüneburg, auch „Ernst der Bekenner“ genannt, gewesen sein. Von Luthers Lehre durchdrungen, traf der Herzog Anordnungen, den Reformationsprozeß behutsam durchzuführen. Sehr starken Widerstand stellt der Konvent des Klosters Medingen dem Herzog entgegen. 1524 beginnend, fand der Zeitraum der Reformierung nach einem erbitterten „Nonnenkrieg“ erst 1554 ein Ende und das Kloster wurde nach der Säkularisation zu einem evangelischen Damenstift, das es bis heute geblieben ist.
Zisterzienser-Nonnenkloster in Medingen
Jahrhundertlang mußte der Marktflecken mehrfach schwere Rückschläge hinnehmen. Im Zuge des Lüneburger Erbfolgekrieges (1369-1388) wurde Bevensen fast gänzlich zerstört, und viele Einwohner wanderten nach Uelzen und Lüneburg ab. Nur langsam erholte sich die Marktsiedlung. Durch die Bildung von Gilden, auch religiöser Art, entwickelte sich wieder Handel und Handwerk, der Ort gelangte aber nicht wieder zu der früheren Bedeutung und kam unter dem Vogt Heinrich von Spörkn unter den Einfluß der Stadt Lüneburg. Kriege, Seuchen und Brände, besonders der Dreißigjährige Krieg, schädigten den Flecken Bevensen stark. Aus den wenigen erhalten gebliebenen Annalen erfahren wir, dass Bevensen mehrmals an das Kloster Medingen verpfändet wurde. Das Kloster hatte dem Bischof größere Summen Geldes geliehen und als Pfand den ganzen Ort Bevensen bekommen.
Wir erfahren weiter, dass im Jahre 1619 ein neues Schulhaus an der Kirche gebaut wurde und damit der Aufbau eines geordneten Schulwesens begann, dass 1685 zum ersten Male das Bevenser Wappen, die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind auf dem Schoß, als Siegel verwandt wurde und dass 1726 die letzte Hinrichtung auf dem Galgenberg stattfand – ein Bürger hatte seine Frau erstochen – und lesen, dass 1817 die erste Apotheke eröffnet wurde.
Das erste Schulhaus in Bevensen
wird heute als Gemeindehaus der evangelischen Kirche genutzt.
Seine vorgoethische Zeit verlebte für einen dreijährigen Zeitraum der spätere Privatsekretär und Freund Goethes, Johann Peter Eckermann während der endenden Franzosenzeit von 1810 bis 1813 als „Mairie-Secrétaire“ (Magistratsschreiber) im Marktflecken Bevensen, angestellt durch eine Bestallungsurkunde des Amtes Medingen.
Bevor er in den Kampf gegen Napoleon zog, bescheinigte man ihm, „den anvertrauten Dienst mit ausgezeichnetem Eifer und Tätigkeit vorgestanden zu haben“. In die Ära Eckermanns fiel auch die verheerende Brandkatastrophe am 5. und 6. November 1811, die weite Bereiche des Ortes, so auch die Dreikönigskirche, einäscherte. Der Wiederaufbau brachte, bedingt durch gewonnene Erkenntnisse in puncto Brandschutz und Hygiene, eine Veränderung des Ortsgrundrisses mit sich. Dieser neue Grundriß bestimmt noch heute das Stadtbild Bad Bevensens.
Die Eröffnung der Bahnlinie Hannover – Harburg am 1. Mai 1847 brachte für die ländliche Bevölkerung und das heimische Geschehen in allen Bereichen grundlegende
Veränderungen. Mit dem Eisenbahnanschluß und der einsetzenden Industrialisierung
begann der wirtschaftliche Aufstieg des Fleckens, der die weitere Ansiedlung von Handwerkern und größeren Betrieben nach sich zog. Durch die sogenannte „Verkoppelung“, die Aufteilung und Zusammenlegung landwirtschaftlicher Flächen zu größeren Einheiten, gewann auch die Landwirtschaft, die ja die Umgebung Bevensens auch heute prägt, an Wirtschaftskraft. Die enge wirtschaftliche Verpflechtung des Bevenser Handwerks und Handels mit der Landwirtschaft drückt auch der Hausspruch eines großen Landhandelunternehmens damaliger Zeit aus: „Stadt und Land – Hand in Hand“.
1889 eröffnete eine größere Maschinenfabrik, die Standard-Werke Wilhelm Schulze KG, ihre Pforten, die vor allem landwirtschaftliche Maschinen herstellte; die Dreschmaschinen des Fabrikats „Erika“ hatten über viele Jahrzehnte einen guten Ruf.
Sparkassen wurden gegründet, und bereits 1892 nahm die Molkereigenossenschaft Bevensen ihren Betrieb auf. „Bevenser Theebutter“, wie auch die „Prima Bevenser Landmettwurst“ oder der „Prima Bevenser Landschinken“ der Schlachtermeister Georg Deumann und Hermann Stehr wurden zu Bevenser Spezialitäten, vor allem in den Städten Hamburg und Hannover.
Die Eisenbahn war nicht nur als Transportmittel für Waren aller Art wirtschaftlich für das Bevensen des 19. Jahrhunders interessant, sondern eröffnete noch ganz andere Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Strukturverbesserung. Wurden im Jahre 1848 nur 6.306 Ein- und Ausstiege auf dem Bevenser Bahnhof gezählt, so betrug die Anzahl der Ein- und Ausstiege im Jahre 1899 bereits 41.370. Ein Großteil dieser Reisenden waren Gäste, Sommerfrischler aus Hamburg, Harburg oder Hannover, die im verträumten Ilmenautal ihre Sommerferien verlebten. Denn mit der aufkommenden Industrialisierung und dem Wachstum der großen Städte wuchs auch der Wunsch des Menschen nach draußen, in der Natur und Natürlichkeit kleiner Orte am Rande des turbulenten Stadtgeschehens zu fahren. Die Schönheit der Landschaft um Bevensen, die Idylle dieses kleinen, etwas weltvergessen anmutenden Fleckens wurde von den Großstädtern entdeckt.
Der Bevenser Bahnhof um 1909
Einige Gasthausbesitzer bauten ihre Häuser zu Hotels aus. Der alte „Naumann’sche Garten“, später das „Hotel Stadt Hamburg“, verfügte bereits 1895 über ein gutes Dutzend Fremdbetten. Der spätere Besitzer Emil Dreusicke Senior war als exzellenter Weinkenner und für beste Küche bekannt; schon in den zwanziger Jahren reiste man sonntags von Hamburg nach Bevensen, um die vorzügliche Küche zu genießen. Aus dem kleinen Gasthaus Ecke Medinger/Marktstraße (Lüneburger Straße) entstand das größte Haus am Platz, das „Hotel Deutsches Haus“ mit 30 Betten. Schulzes und Beneckes Hotel – beide heute nicht mehr existent – hatten in den zwanziger Jahren mehr und mehr Übernachtungen von Sommergästen, denen sie bereits einen gewissen Komfort boten. In ihren Werbeanzeigen wiesen sie ausdrücklich darauf hin, dass ein „Hausdiener an jedem Zug“ warte. Auch hatten die Bevenser Hotels schon früh – als das elektrische Licht noch nicht überall bekannt war – Gasbeleuchtung, denn seit 1907 hatte Bevensen ein eigenes Gaswerk, und welcher Flecken der Größe Bevensens konnte das schon aufweisen.
Das Hotel "Deutsches Haus"
ehemals das größte Gasthaus am Ort.
1911 gründete sich der „Verkehrs- und Verschönerungsverein für Bevensen und Umgebung“, um sich der Bedürfnisse der Gäste anzunehmen. Wurde in der Zeit vor der Gründung dieser Institution der Fremdenverkehr mehr oder weniger sporadisch betrieben, so arbeiteten jetzt Kreise der Bevenser Bürger fremdenverkehrsbewußt und erkannten die aufkommende Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges, der sich stetig entwickelte. Auf Initiative des „Verkehrs- und Verschönerungsvereins“, dem nicht nur Bevenser und Medinger Gastronomen, sondern auch viele Kaufleute und Handwerker angehörten, entstand ein Wanderwegenetz, das ständig erweitert wurde. Bänke wurden an schönen Landschaftspunkten aufgestellt und sogar eine Badeanstalt gegenüber dem 1742 errichteten Pastorenhaus (später Superintendentur) am Ostufer der Ilmenau angelegt. Dass in unmittelbarer Nähe dieser ersten Badeanstalt einmal das Thermal-Jod-Sole-Bad liegen würde, ahnte damals natürlich noch niemand.
1912 wurde die Badeanstalt an einem idyllischen Platz unterhalb der Klaubuschhöhen verlegt, und man konnte nun eine „allen hygienischen Anforderungen genügende Fußbadeanstalt“ anbieten. Die Gemeindeväter des Fleckens Bevensen hatten mit der Anlage dieses Strandbades den rechten Griff getan, denn es entwickelte sich zu einem weit über die Grenzen des Kreises Uelzen bekannten Anziehungspunkt. 1929 erhielt Bevensen dann auch die staatliche Anerkennung als Luftkurort und bekam das Stadtrecht.
Die alte Badeanstalt am Klaubusch
Dabei war es gar nicht einmal Bevensen, sondern der nur tausend Meter entfernte Nachbarort Medingen, der die ersten Gäste aufgenommen und ihnen Zimmer und Betten angeboten hatte. Schon seit der Gründung des Klosters bestanden enge Bindungen zwischen Medingen und Bevensen, ab den zwanziger Jahren ergänzen sich beide Orte positiv auf dem Gebiet des Fremdenverkehrs. Die grundverschiedenen Charaktere der beiden Orte, die sich bis heute erhalten haben, machen den Reiz des Zusammenspiels aus. Medingen läßt immer noch eine eigenartige und reizvolle Dorfatmosphäre spüren, die Bauernhöfe und Hotels, das Kloster und der Zusammenklang von Natur und Kultur dem Ort geben.
Bevensen ist gemütliche Kleinstadt, aber auch geschäftiger Mittelpunkt eines Gebietes, das sich etwa 20 Kilometer nach Osten, 12 Kilometer nach Norden, 10 Kilometer nach Westen und 8 Kilometer nach Süden ausdehnt. Handel und Handwerk bieten ein umfangreiches Waren- und Dienstleistungsangebot.
Die völlige Neuorientierung in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen nach dem Zweiten Weltkrieg stellte auch Bevensen vor Entwicklungsprobleme. Die kleine Stadt mußte in ihrer Ausdehnungsfläche vergrößert werden, denn die Einwohnerzahl war durch die vielen Flüchtlinge um das Doppelte gestiegen. Man entwickelte Bebauungspläne für das Gebiet östlich der Ilmenau, die hier auch zugleich den Bau von weiteren Pensionen und Hotels vorsahen. Erst sehr langsam entwickelte sich in den fünfziger Jahren der Fremdenverkehr. Ein neues Freibad, das „Rosenbad“, nach mühevollem Bau 1956 eröffnet, gab dem Fremdenverkehr einen starken Auftrieb. Ende der fünfziger Jahre wurden die Weichen für die weitere Entwicklung Bevensens gestellt, mit dem Ziel, den Luftkurort zum Kneippkurort auszubauen. Mit großer Zähigkeit und viel Taktik verfolgten Anfang der sechziger Jahre Rat und Verwaltung dieses Ziel. 1963 konnte das erste Kurmittelhaus am Waldrand des „Klaubusch“ oberhalb der Ilmenau, direkt über dem Gelände des alten Strandbades eröffnet werden. Bevensen konnte seinen Gästen nun, außer der guten Luft und seiner vielfältigen Landschaft , auch die Möglichkeit bieten, in einem modernen Kurmittelhaus, ausgerichtet nach der Kneipp’schen Hydriotherapie, zu kuren.
Damit war eine wesentliche Grundlage zur weiteren Entwicklung geschaffen. Die Übernachtungszahlen stiegen, das Bettenangebot erweiterte sich, es setzte eine Belebung der gesamten Bevenser Wirtschaft ein. Impulsgeber für die Wirtschaft war zunehmend der Fremdenverkehr, dessen Bedeutung 1964 über Nacht sogar erstrangig wurde.
Auf der Suche nach Erdgas stieß eine Bohrmannschaft zufällig auf eine eisenhaltige Natrium-Chlorid-Sole-Therme in der Nähe der Auffahrt zur Bundesstraße 4, etwa 3 Kilometer westlich des Städtchens. Die Heilkraft der Quelle galt als erwiesen und so bot die deutsche Erdöl-AG, die diese Quelle erbohrt hatte, sie dem Kurort Bevensen zum Kauf an.
Da es technisch schwierig war, das Wasser dieser Thermalquelle nach Bevensen zu leiten, versuchte man auf Anraten des Niedersächsischen Amtes für Bodenforschung, im Kurgebiet eine zweite Quelle zu erbohren. Anfang 1968, ein glückliches Jahr für Bevensen, wurde diese Bohrung fündig. Im gleichen Jahr erhielt Bevensen die staatliche Anerkennung als Kneippkurort und am 4. Dezember war mit der Grundsteinlegung für das Bevenser Kurzentrum ein weiterer wichtiger Schritt getan. Die staatliche Anerkennung zum Mineralheilbad ließ nicht lange auf sich warten und wurde, nach Schaffung der erforderlichen Voraussetzungen, im Jahre 1975 ausgesprochen. Die wirtschaftsschwache Struktur des Zonenrandgebietes, unter der auch Bevensen zu leiden hatte, erforderte die Hilfe der öffentlichen Hand zum Auf- und Ausbau des Ortes. Die Regierungsorgane erkannten wohl, dass Hilfe hier Stärkung des Wirtschaftsgeschehens bedeutete. So wurden die Investitionen der Stadt und der 1967 gegründeten Kurgesellschaft, als Trägerin des Kurzentrums, durch Mittel der öffentlichen Hand unterstützt. Die öffentliche zog auch die private Investitionsbereitschaft nach sich und so ist in Bad Bevensen bis heute ein privatfinanziertes Angebot von etwa 45OO Betten in Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Sanatorien und Kliniken entstanden. Damit verfügt die Kurstadt über ein breites Bettenangebot aller Kategorien. In weiser Voraussicht hatte der Stadtrat bereits Ende der fünfziger Jahre Baugelände für Hotels und Pensionen in der Nähe des Kurzentrums ausgewiesen, so sind die Wege der Gäste innerhalb des Kurgebietes nicht weit.
Mit 22OO Arbeitsplätzen im Kur- und Fremdenverkehrsbereich stellt Bad Bevensen in der Wirtschaftsstruktur der Region der östlichen Lüneburger Heide einen beachtenswerten Faktor dar. Aufgrund der positiven Voraussetzungen haben drei Kliniken Bevensen zu ihrem Standort gewählt: Ein umfangreiches Rehabilitationszentrum mit Spezialeinrichtungen für Physikalische Medizin stellt die Diana-Klinik dar. Das Herz- und Gefäßzentrum (früher Herzkreislaufklinik) spezialisiert auf die Herztherapie, ist inzwischen zum Zentrum der Herzchirurgie im norddeutschen Raum geworden. Die Diabetes-Klinik (geschlossen 2004) war eine Fachklinik für Stoffwechselkranke, insbesondere Zuckerkranke.
Mit der Eröffnung des Thermal-Sole-Hallenbewegungsbades im Jahre 197O begann der Ausbau des Kurzentrums zu einem umfangreichen Komplex, zu dem heute ein nach neuesten Erkenntnissen auf dem Gebiet der Balneologie entwickeltes Kurmittelhaus und zwei Thermal-Therapiebecken zählen. Zwei Thermal-Jod-Sole-Freibäder, in denen man auch im Winter unter freiem Himmel schwimmen kann, sind zu beliebten Anziehungspunkten geworden.
Das erst 1994 eröffnete Balneum, eine mit vielen Extras versehene Römisch-Finnische Therme, stellt eine sinnvolle Ergänzung zu den vorhandenen balneotherapeutischen Einrichtungen dar. Inmitten des komplexen Kurzentrums ist das Kurhaus inzwischen zum kulturellen und gesellschaftlichen Mittelpunkt Bad Bevensens geworden
Die harmonische Umrahmung des Kurzentrums bildet der etwa zwölf Hektar große Kurpark. Vier Brücken, die sich über die Ilmenau spannen, verbinden die dem Landschaftsbild des Ilmenautales angeglichene, gepflegte Parkanlage mit der autofreien, gemütlichen Altstadt, die als erlebenswertes Pendant zum Kurviertel gilt. Durch eine stilistisch gelungene Umgestaltung hat die Altstadt als Fußgängerzone das Gesicht längst vergangener Tage zurückbekommen. Ein gutes Beispiel ist die Lüneburger Straße, die eine gewisse Achse in der Altstadt bildet.
Als sie noch den Namen „Am Markte“ trug, Anfang des 20. Jahrhunderts, beherrschten hier Handel und Wandel das Bild; heute hat sie diesen Charakter wiedergewonnen, denn Laden reiht sich an Lädchen, in diesem schmucken, geschmückten Fußgängerbereich. Cafès laden zum Verweilen ein und der Wochenmark auf dem alten Kirch- und Marktplatz unter dem schützenden Turm der Dreikönigskirche ist wieder zum Mittelpunkt des beschaulich-traulichen Städtchens Bevensen geworden. So verbindet sich heute in Bad Bevensen in harmonischer Weise neuzeitliches Kur- und Urlaubsgeschehen mit den Traditionen einer geschichtsträchtigen, in eine reizvolle Landschaft gebettete kleine Stadt.
Kultur und Brauchtum
Trotz der vielen Unbilden, die das Städtchen in den vergangenen Epochen hinnehmen musste, haben sich Brauchtum und Tradition in Bad Bevensen in gewissem Umfang erhalten.
Zum „Gilräken“ (Gildeabrechnung) lädt alljährlich die bereits um 12OO gegründete „Unserer lieben Frauen Gilde“ ihre Mitglieder ein, eine Sterbekasse, die im Volksmund Totengilde genannt wird. Die Bevenser Schützengilde, aus einer bereits 1293 bestehenden Bürgerwehr hervorgegangen, feiert als eine der ältesten Gilden Norddeutschlands in jedem Jahr nach Pfingsten ihr traditionsreiches Schützenfest, das zum bekanntesten Volksfest in Bad Bevensen geworden ist.
Stadt- und Kurparkfeste gehören inzwischen zum Brauchtum, wie die Frühjahrs- und Herbstmärkte, die ein Nachklang des Marktgeschehens früherer Jahrhunderte sind.
Die gern besuchten Weihnachtsmärkte auf dem alten Kirch- und Marktplatz haben jüngere Tradition. Zum besonderen Charakteristikum des Weihnachtsfestes in Bad Bevensen sind die seit 1842 in der Dreikönigskirche gefeierten Siebensterngottesdienste geworden. Dazu bringen die Bevenser ihre siebenarmigen, pyramidenförmigen Holzleuchter, die Siebensterne, mit in die Kirche, so dass das Kirchenschiff zu Weihnachten in besonders festlichem Lichterglanz erstrahlt. Ursprünglich wurde dieser Brauch aus der Not belebt, als die Kirche einst die Beleuchtung des Gotteshauses nicht mehr finanzieren konnte und die Gemeindemitglieder gebeten wurden, ihre Siebensterne zum Weihnachtsfest mit in die Kirche zu bringen.
Das seit Jahrzehnten veranstaltete „Maisingen“ des Chores der Liedertafel „Germania von 1864“ geht auf Justus Wilhelm Lyra zurück, der von 1869 bis 1878 als Pastor in Bevensen wirkte und hier die Melodie zu Emanuel Geibels Gedicht „Der Mai ist gekommen“ schrieb.
Noch heute kündigt eine Tafel am Pastorenhaus davon.
Aus bescheidenen Anfängen im Jahre 1948 ist in den vergangenen Jahrzehnten die „Bevensen-Tagung“ zur größten Literaturtagung auf dem Gebiet der niederdeutschen Sprache geworden, zu der sich alljährlich Schriftsteller, Theaterautoren, Sprachwissenschaftler und Freunde der niederdeutschen Sprache im Herbst treffen. Musik und Theater haben in Bad Bevensen eine lange Tradition und gehören als kulturelle Ereignisse in den Jahreskreis. Seit 1954 ist der Kulturverein ein Träger des kulturellen Lebens und arrangiert die alljährliche Theater- und Konzertsaison mit namhaften Künstlern im Theater in der Lindenstraße.
Die Kurverwaltung engagiert Künstler aus dem vielfältigen Unterhaltungsgenre für Veranstaltungen im Kurhaus. Harmonisch mitklingend im musikalischen Geschehen sind sowohl die Konzerte sakralen Charakters in der Dreikönigskirche als auch die niveauvollen Kammerkonzertabende im Sommerhalbjahr im kerzenerleuchteten Festsaal des Klosters Medingen, die seit fast fünf Jahrzehnten Musikfreunden Höhepunkte bedeuten.
Einen klingenden Namen hat auch die „Bad Bevenser Big-Band“ der Schüler der Fritz-Reuter-Schule.
Auch Museen sind Kulturträger. Das Museum Schliekau
Bauern - Bürger - Dörfer
Die Bauern in Bad Bevensens Umgebung und im Landkreis Uelzen, gelten als ein sehr selbstbewusster Menschenschlag. Das hat seine Gründe. Denn gleich nach der Lösung der Bauern aus dem Hörigkeitsverhältnis zu ihren Grundherren ab 1830, begann man mit der Gründung des „Provinzialvereins“, des ersten landwirtschaftlichen Vereins Deutschlands, der sich für die Reform und Modernisierung der Landwirtschaft sehr aktiv einsetzte.
Das Bauerntum zeigte sich den Neuerungen sehr aufgeschlossen und gewann bald auch auf geringeren Böden gute Erträge. Die daraus resultierende wirtschaftliche Kraft und Sicherheit ließ ein Selbstbewusstsein heranreifen, das den Bauern eigen geblieben ist und sie dem Handel und Handwerk zu geschäftstüchtigen Partnern werden ließ. Die bereits zitierten Worte „Stadt und Land – Hand in Hand“ haben auch heute noch Gültigkeit.
Die engen Bindungen zwischen Land und Stadt haben auch dazu geführt, dass sich lange vor der 1972 durchgeführten Gebiets- und Verwaltungsreform bereits im Jahre 1965
18 Gemeinden mit Bevensen auf freiwilliger Basis zur Samtgemeinde Bevensen zusammenschlossen. Heute gehören zur Samtgemeine Bevensen die Gemeinden Altenmedingen, Barum, Emmendorf, Himbergen, Jelmstorf, Römstedt und Weste mit insgesamt 41 Ortsteilen, ca. 17.000 Einwohnern und einem Areal von 23.705 Hektar.
Zur Stadt Bad Bevensen wurden im Zuge der Gemeindereform 1972 die umliegenden Dörfer Medingen, Seedorf, Sasendorf, Klein Bünstorf, Jastorf, Klein- und Groß Hesebeck, Röbbel und Gollern als Ortsteile eingemeindet. Mit den Ortsteilen zählt die Stadt Bad Bevensen ca. 9.000 Einwohner und hat eine Ausdehnung von 4796 Hektar.
Die Dörfer um Bad Bevensen haben bis in unsere Tage ihren alten dörflichen Charakter bewahren können. In Altenmedingen, einst Zwischenstation des Zisterzienserinnen-Konvents des Klosters Medingen, findet man in der alten Mauritius – Kirche einen der in der Lüneburger Heide seltenen Reihenaltäre aus dem 15. Jahrhundert. In Niendorf I, nahe Altenmedingen, ist mit dem Tipp`schen Hof noch ein traditionelles Gehöft mit angegliederten, von Feldsteinmauern umzogenen Schweinemastweiden mit hohen Eichen und Buchen erhalten. In Römstedt imponiert die kompakte Kirche, die einst auch Wehrkirche war. Der 10 Kilometer nordöstlich Bad Bevensens gelegene Ort Himbergen hat mit seinen 2.000 Einwohnern Mittelpunktcharakter. 24 Dörfer zählen zum Kirchspiel Himbergen, Handel und Handwerk bestimmen neben der Landwirtschaft das Ortsgeschehen. Der alljährlich unter dem Kirchturm gefeierte Himberger Markt, ein deftiges dörfliches Volksfest, lässt die Marktfunktion vergangener Zeiten aufleben.
In Masbrock gibt es noch eines der rar gewordenen Zweiständer-Bauernhäuser und die fast geschlossene Anlage eines Rundlingsdorfes bildet den historischen Ortskern von Oetzendorf, 6 Kilometer südöstlich Bad Bevensens auf einer Anhöhe gelegen. Behäbige, typisch niedersächsische Bauernhäuser findet man in allen Dörfern rund um Bad Bevensen.
Musterbeispiele der Restaurierung alter Fachwerkhäuser bilden den Mittelpunkt des alten, eichenbestandenen Veestdorfes Weste. Hier ziert auch eine nach alten Vorlagen wiedererbaute Kapelle den Ortskern. In Groß Hesebeck, idyllisch im Tal der Hese, auch Röbbelbach genannt gelegen, treffen sich nicht nur die Freunde der plattdeutschen Sprache allmonatlich „to`n Plattsnacken“, hier ist auch der alte Brauch des Kopfwurstessens zur Winterzeit lebendig geblieben. Klein Hesebeck lässt noch fragmenthaft den alten Rundlingsgrundriß erkennen und in Jastorf, einer uralten Siedlung an der Ilmenau, setzen Schützenfest, Feuerwehr- und Sportvereinsbälle die alten gemütlichen Dorffeste fort.
Das Ortsbild in Emmendorf wurde im Rahmen des Dorferneuerungs-Programmes des Landes Niedersachsen verschönert. Die Dörfer der fruchtbaren Kleilandschaft westlich des Ilmenautales lassen an ihren alten Bauernhäusern auch heute noch den einstigen Reichtum ihrer Erbauer erkennen, wie in dem Dorf Barum mit seiner Imposanten, alten Dorfkirche.
In den vergangenen Jahrzehnten haben viele Neubürger, die in nahen Städten ihrer Arbeit nachgehen, in den Dörfern Wohnstatt gefunden. Neue Siedlungen sind an den Dorfrändern entstanden, die die alten Dorfmittelpunkte aber in ihrem Charakter kaum stören. Bauern und Bürger leben in harmonischer Nachbarschaft und pflegen und feiern gemeinsam das Brauchtum und die traditionsreichen, rustikal-ländlichen Feste.
Text: Jürgen Warnecke
Fotos: Privatsammlung A. Springer
