Entdeckung der Thermal-Jod-Sole-Quelle
Die Mineralquelle an der B4
Es war ein Zufall , daß die Deutsche Erdöl-Aktiengesellschaft Hamburg (DEA) im Jahre 1964 in der Nähe von Bevensen an der Bundesstraße 4 (B4) bei Seedorf eine Bohrung niederbrachte und in einer Tiefe von 2835 m bis 2865 m statt des erhofften Erdgases auf eine Mineralquelle stieß, die mit ca. 50 Grad C und einem Druck von 50 atü zu Tage trat. Der Solegehalt betrug ca. 30 %. Der hohe Eisen- und Mangangehalt war bemerkenswert. Fachleute bezeichneten sie als „eisenhaltige Natrium-Calcium-Chlorid-Sole-Therme“.
Am 27. Mai 1964 bot die DEA der Stadt die Bohrung zum Kauf an und verlangte eine sofortige Entscheidung, da sonst das Bohrgerät wegen der hohen Betriebskosten abgezogen und das Bohrloch wieder verfüllt werden müsse.
Es wurden sofort Verhandlungen mit der DEA und dem Landkreis Uelzen aufgenommen.
Stadt und Landkreis kamen überein, die Bohrung für den Kurort sicherzustellen. Das Wirtschaftsdezernat der Regierung Lüneburg bot finanzielle Zuwendungen an.
Um die damals kurzfristig notwendig gewordenen Entscheidungen würdigen zu können – Bevensen verzeichnete 1964 erst 86.955 Übernachtungen – erscheint es angebracht, das Wirken des Rates der Stadt Bevensen und des Kreistages sowie der Verwaltungen beider Körperschaften in den entscheidenden Monaten chronologisch festzuhalten.
In einem Bericht aus Anlaß des 10jährigen Bestehens der Kurgesellschaft Bevensen GmbH hat der damalige Stadtdirektor Hermann Schulz den zeitlichenAblauf wie folgt geschildert:
„Die in dieser Zeit von den Vertretern der Selbstverwaltungsorgane sowohl des Kreistages als auch des Rates der Stadt Bad Bevensen gezeigte Weitsicht, Risikobereitschaft und Entscheidungsfreudigkeit erscheint einmalig, vor allem bei bei genauer Betrachtung des Zeitablaufes. Sicherlich haben die Beteiligten der „ersten Stunde“ kaum übersehen können, welches Ausmaß der Beschlüsse auf die wirtschaftliche Entwicklung des Raumes Bevensen und damit für den gesamten Landkreis haben würden. Es ist jedoch erstaunlich, wie schnell und reibungslos alle erforderlichen Entscheidungen getroffen worden sind.“
Der Bohrturm der DEA an der Bundesstraße 4 ...
... und heute nur noch ein unscheinbares Feld
Freitag, 29.05.1964
Die Deutsche Erdöl-Aktiengesellschaft (DEA) Hamburg teilt mit Schreiben vom 27. Mai 1964 mit, daß bei den Untersuchungen der Speicherhorizonte im Buntsandstein in der Tiefe von 2.835 m bis 2.865 m der Aufschlußbohrung „Seedorf 2“ ein starker Zufluß von Sole unter dem hohen Druck von ca. 400 atü und einer Lagerstättentemperatur von 105 Grad Celsius festgestellt worden sei. Es wurde die Frage gestellt, ob die Stadt Bevensen diese Thermalsole übernehmen wolle, da Qellen dieser Art sehr häufig in medizinischen Badeeinrichtungen verwendet würden. Eine vorläufige Wasseranalyse wurde mit vorgelegt.
Sonnabend, 30.05.1964
Dr. med. Dumrese, beratender Badearzt der Kurverwaltung, teilte mit, daß es sich auf Grund bisher bekannter Analysen des Solevorkommens nach Auskunft des Chemischen Instituts Dr. Fresenius in Wiesbaden, des Bäderdirektors Jahn aus Baden-Baden und Bäderdirektors Müller aus Bad Orb um eine sehr starke Thermalsole (Heilquelle) handelt, die im Interesse Bevensens auf alle Fälle für die Entwicklung genutzt werden sollte.
Auch Dr. K.-E. Quentin, Lehrbeauftragter für Grundwasser-, Mineral- und Heilquellenkunde an der Technischen Hochschule in München hatte wissen lassen, daß das Mineralwasser balneotherapeutisch von erheblichem Interesse sei.
Sonntag, 31.05.1964
Das Bohrloch befand sich auf einem Privatgrundstück. Die Grundeigentümerin, Frau Elisabeth Schmeling in Seedorf, erklärte sich mit den seitens der Stadt Bevensen vorgesehenen Maßnahmen auf ihrem Grundstück einverstanden und versprach den späteren Abschluß eines Pacht- und Nutzungsvertrages. Diese Vereinbarung mit der Grundstückseigentümerin war notwendig, da im ehemaligen Hannoverschen Gebiet das Preußische Bergrecht Gültigkeit besaß, der jeweilige Grundstückseigentümer also über den Bodenschatz zu verfügen berechtigt war.
Offizielle Begutachtung
der fündig gewordenen Heilquelle. V.l.n.r.: Techn. Berater Dipl.-Ing. H.J. Bindszus, Oberkreisdirektor R. Berger, Bohrunternehmer H. Anger, Bürgermeister E. Twellhegen, Stadtdirektor W. Wagenknecht, E. Hintze.
Montag, 01.06.1964
Der Verwaltungsausschuß der Stadt ermächtigt die Verwaltung, alle notwendigen Verhandlungen zum Erwerb der Mineralquelle einzuleiten.
Mittwoch, 03.06.1964
Verhandlungen mit der DEA werden in Hamburg aufgenommen. Für den weiteren Ausbau und die Übergabe der Bohrung an die Stadt werden von der DEA einschl. noch erforderlicher Verrohrung 250.00,00 DM gefordert. Die bisher entstandenen Bohrkosten hatten sich auf 1,3 Mio. DM belaufen.
Donnerstag, 04.06.1964
Rücksprache mit Regierungsdirektor Berg von der Regierung Lüneburg mit der Zusage, am 05.06.1964 das Niedersächsische Wirtschaftsministerium und Niedersächsische Sozialministerium zu unterrichten.
Dringende Empfehlung von Regierungsdirektor Berg, diese Chance für Bevensen nicht zu vergeben, das Bohrloch auszubauen und die Bohrung sicherzustellen.
Um 16.00 Uhr beschließt der Kreistag einstimmig, für 7 Tage die Vorhaltekosten für die Geräte am Bohrloch zu übernehmen. Es handelt sich um einen Betrag von 31.500,00 DM. Gleichzeitig wird beschlossen, Bevensen auch weiterhin beim Ausbau des Kurortes finanziell zu unterstützen.
Um 21.00 Uhr findet eine Sondersitzung des erweiterten Verwaltungsausschusses statt. Die Ratsherren werden über das bisherige Verhandlungsergebnis informiert. Es wird dem Rat empfohlen, die Bohrung anzukaufen.
Freitag, 05.06.1964
Eilentscheidung des Stadtdirektors Wilhelm Wagenknecht mit dem 1. Beigeordneten Theodor Schmidt, die Rohre während der Nachtzeit anfahren zu lassen, damit die Vorhaltekosten von pro Tag 4.500,00 DM eingespart werden und die DEA schon ab 06.06.1964 mit den Ausbauarbeiten beginnen kann.
Bohrmeister
Gojko Lyubiac mißt eine Temperatur von 23 Grad. Badearzt Dr. med. Dumrese prüft kritisch den Solegehalt.
Sonnabend, 06.06.1964
Um 11.00 Uhr tritt der Rat zu einer Sondersitzung zusammen. Es wird einstimmig beschlossen, die Bohrung „Seedorf 2“ sicherzustellen. Die entstehenden Kosten werden mit etwa 250.00,00 DM veranschlagt.
Montag, 08.06.1964
Besuch der SPD-Fraktion des Niedersächsischen Landtages in Bevensen. Die finanzielle Unterstützung des Landes wird in Aussicht gestellt.
wird fortgesetzt
Hamburger Abendblatt v. 14.11.1964
Und so sieht es heute aus
Die JOD-SOLE-THERME im Wandel der Zeit
Quelle: Schriftenreihe des Stadtarchivs (Heft 3), von Wilhelm Wagenknecht, 1982
Fotos: Stadtarchiv Bad Bevensen, A. Springer, Kurgesellschaft Bevensen GmbH
Hier können Sie sich den Flyer mit aktuellen Informationen über die Jod-Sole-Therme herunterladen [761 KB]
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Die Jod-Sole-Therme Ende der 70er Jahre ...
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